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Fachbeitrag
im DPN
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2020

"Investments in Core-Lagen bleiben attraktiv"

Welche Bereiche des Immobilienmarktes sind in der Corona-Krise am stärksten unter Druck geraten? Welche Bereiche haben profitiert?

Welche Bereiche des Immobilienmarktes sind in der Corona-Krise am stärksten unter Druck geraten? Welche Bereiche haben profitiert?

Durch die Corona-Krise hat sich der Sektor „Wohnen“ ob seiner Krisen-Resistenz wieder zur gefragtesten Assetklasse bei Immobilieninvestoren entwickelt. Auch der Logistik-Bereich profitiert aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach E-Commerce und dem daraus folgenden erhöhten Bedarf an Lager- und Logistikfläche in besonderem Maße.

Ein wenig differenzierter sieht es bei Hotel-Immobilien aus: Ferienhotels sind vergleichsweise gut durch die Krise gekommen und haben in Deutschland sogar Aufholeffekte durch eine erhöhte Anzahl an Inlandsurlauben erlebt. City- und Businesshotels haben dagegen aktuell stark mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Wir gehen jedoch von einer graduellen Erholung des gesamten Sektors aus.

Viele Unternehmen haben die Vorteile des Homeoffices erkannt und wollen auch nach der Krise (zumindest teilweise) dabei bleiben. Welche Auswirkungen hat der Trend zum Homeoffice auf Investments in Büroimmobilien?

Generell sind Büroimmobilien in sehr guten Lagen mit flexiblen Flächen weiterhin gefragt. Hier hat sich Corona bisher auch nicht negativ auf die Mieten ausgewirkt. Im Vermietungsmarkt sehen wir, dass viele Unternehmen weiterhin an repräsentativen und für die Mitarbeiter verkehrstechnisch gut angebundenen Flächen interessiert sind. Dies wirkt sich auch entsprechend auf den Investmentmarkt aus.

B-Lagen und ältere Bestandsflächen kommen allerdings vermehrt unter Druck: Hier haben besonders Projekte und Bestandsimmobilien Probleme, die in den vergangenen Jahren zu sehr hohen Einstandspreisen mit der Aussicht auf immer weiter steigende Mieten und sinkende Renditen eingekauft wurden. Möglicherweise spielt hier auch der Trend zu mehr Homeoffice eine Rolle. Wie sich das Arbeiten von Zuhause mittel- bis langfristig entwickelt, ist allerdings noch nicht final zu bewerten. Daher sind viele Mietinteressenten derzeit zögerlich bei der Anmietung neuer, großer Flächen. Sobald es dort Gewissheit bezüglich der Homeoffice-Strategie gibt, erwarten wir wieder einen geregelten Vermietungsmarkt.

Immobilieninvestments galten in der Vergangenheit als sicherer Hafen. Hat die Corona-Krise diese Annahme bestätigt?

Immobilieninvestments bleiben grundsätzlich attraktiv. Wir beobachten auch, dass der Finanzierungsbedarf und der Appetit auf Fremdkapital, insbesondere auch durch alternative Kapitalgeber, weiterhin ungebrochen ist. Zwar steigen die Risikoaufschläge aktuell aufgrund der unsicheren Corona-Situation, was die Rendite für die Investoren ein wenig drücken kann. Doch generell spricht viel dafür, dass Immobilien für institutionelle Anleger ein sicheres Investment bleiben.

Viele Mietverträge haben langfristige Laufzeiten, weswegen eine Marktkorrektur erfahrungsgemäß nachgelagert und langsam stattfindet. Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Zentralbanken das Zinsniveau nochmals gesenkt, was Immobilieninvestments durch den Hebeleffekt unter sonst gleichen Bedingungen attraktiver macht als andere Anlageklassen.

Inwieweit konnten die Maßnahmen der Notenbanken sowie die Krisenpolitik der Regierungen die Immobilienmärkte stützen?

Die Immobilienmärkte wurden durch die Kapitalschwämme der Notenbanken in den vergangenen sechs Monaten und sinkenden Zinsen sehr stark gestützt, da dadurch geringe Opportunitätsrenditen entstanden sind und das Anlegerinteresse an Immobilien bestätigt wurde. Zudem hatten und haben Maßnahmen wie Mietstundungen im Bürosektor einen stabilisierenden Effekt.

Diese Maßnahmen sind auch im Hinblick auf eine zweite Welle denkbar. Man muss nur mal in die USA schauen, wo die Fed immer wieder neue Pakete schnürt und den Markt mit Kapital flutet. Fakt ist aber auch, dass solche Instrumente nur zeitlich beschränkt möglich sind. Irgendwann wird sich der Markt wieder selbst tragen müssen.

Wie sind Ihre Erwartungen für die nächsten Monate?

Investments in Core-Lagen für Wohnen, Büro und Logistik haben ihre Resilienz in Krisenzeiten gezeigt und bleiben weiter attraktiv. Es sind eher wie beschrieben die Immobilien, die auf sehr hohen Einstandspreisen beziehungsweise geringen Renditen gekauft wurden, die aktuell vermehrt unter Druck geraten.

Wir erwarten zudem, dass die Banken als Immobilien-Finanzierer in den kommenden Monaten weiter vorsichtig agieren werden, da nach Auslauf des Insolvenzschutzes und der Hilfsgelder viele Geschäftskredite unter Druck geraten könnten und das Kreditbuch auf eine ernsthafte Probe stellen. Das bietet dann attraktive Chancen für alternative Finanzierer wie uns, sich weiter am Markt zu etablieren.

Herr Könen, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Quelle:
DPN-Online vom 6. Oktober 2020, von Erika Neufeld

Link zum ursprünglichen Artikel: https://www.dpn-online.com/immobilien/immobilien-investments-in-core-lagen-bleiben-attraktiv-93706/

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